DIE GRENZGÄNGER

Die Grenzgänger, © Helena Wuttke„Die Grenzgänger“: von links nach rechts Frederic Drobnjak, Michael Zachcial,
Felix Kroll, Annette Rettich // Foto: Helena Wuttke

Die Nachbarschaftsinitiative Dragopolis und die
Initiative Geschichtsort Januaraufstand
präsentieren in Zusammenarbeit
mit dem Club GRETCHEN

ProgrammSonntag, 25.11.2018, 20:00 Uhr / Einlass ab 19:00 Uhr

 

Vorverkauf: 12,- € plus Gebühr KOKA36 / Eventim
Abendkasse: 15,- €, ermäßigt 12,- €, ggf. berlinpass

Veranstaltungsort: Club GRETCHEN
Obentrautstr. 19-21, 10963 Berlin
U1 U3 U6 Hallesches Tor / U6 U7 Mehringdamm
Kontakt / Reservierungen: Nachbarschaftsinitiative Dragopolis / www.dragopolis.de
c/o Holger Gumz / 0170 5762038 / holger.gumz@t-online.de


Hintergrundinformationen zur Veranstaltung:
Für die Nachbarschaftsinitiative Dragopolis und die Initiative Geschichtsort Januaraufstand sind der geschichtliche Hintergrund des Areals – aber auch die Einbindung in den Kontext der deutschen Geschichte – eines der Themenfelder, mit denen wir uns intensiv und vielfältig auseinandersetzen und verschiedenste Veranstaltungen durchführen.
Im hundertsten Jahr der deutschen (unvollendeten) Revolution wollen wir nochmals (nach einem Projekt mit dem „axensprung theater“ aus Hamburg) in einen neuen Veranstaltungsrahmen aktiv werden. Dazu haben wir mit der Musikgruppe
GRENZGÄNGER aus Bremen Kontakt aufgenommen. Insbesondere ging es um ihr Programm „Die Revolution (Der 9. November)“.
Dieses Programm wollen wir in Zusammenarbeit mit den Grenzgängern und dem Club „Gretchen“ am 25.11.2018 um 20:00 Uhr im Gretchen zur Aufführung bringen. Im Anschluss an das Musikprogramm wird es ein Publikumsgespräch geben.
Mit dieser Veranstaltung wollen wir auch Bestrebungen unterstützen, die sich differenziert und engagiert mit diesen – unserer Auffassung nach enorm bedeutenden und zum Teil nicht ausreichend und korrekt in der deutschen „Geschichtsschreibung“ dargestellten – geschichtlich politischen Ereignissen beschäftigen.
Weiterhin werden die Gäste auch Informationen zur Geschichte sowie der aktuellen Entwicklung insbesondere des Dragonerareals bekommen.

Informationen zum Programm „Die Revolution (Der 9. November)“:
Mit der Weigerung der Kieler und Wilhelmshavener Matrosen, noch einmal in den längst verlorenen Krieg hinaus zu fahren endete vor einhundert Jahren der erste Weltkrieg. Der Versuch der Admiralität, den Aufstand blutig zu unterdrücken, führte zur Revolution: Frauenwahlrecht, Pressefreiheit, Gewerkschaften und vieles mehr sind bis heute die Errungenschaften vom 9. November 1918.
Die Grenzgänger spüren den Liedern und Gedichten nach, die während der November-Revolution auf der Straße und den ersten Kabarettbühnen der Weimarer Republik entstanden. Sie wurden fündig im 1914 gegründeten Deutschen Volksliedarchiv und dem deutschen Kabarettarchiv. Welche Träume und Hoffnungen, der am Ende durch Freikorpssoldaten blutig niedergeschlagenen Revolution, wirken bis heute?
Darüber hinaus wagt das mehrfach mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnete Bremer Ensemble einen Ausblick auf den 9. November in der deutschen Geschichte. Von der Ermordung des Paulskirchen-Abgeordneten Robert Blum während der 1848er Revolution, über den Hitler-Putsch 1923, die Reichs-Progrom-Nacht 1938 bis zum Mauerfall am 9. November 1989.
Lieder und Texte von Ernst Toller, Kurt Eisner, Erick Mühsam, unbekannten Verfassern, Kinderlieder, Bertolt Brecht, Ferdinand Freiligrath und vielen mehr kommen zur Aufführung.

Die GRENZGÄNGER aus Bremen bewegen sich mit Cello, Akkordeon und zwei Gitarren spielerisch zwischen Chanson und Swing, Kammermusik und Jazz, Folk und Rock. Das Deutschlandradio zählt sie zu den ganz großen Ausnahmen im Musikgeschäft, denn das Quartett schafft „Unverwechselbares von bisweilen träumerischer Eleganz“ (Nordseezeitung). Auf einzigartige Weise verbinden die vier Musiker Episoden unserer Geschichte mit aktuellen politischen Themen, holen dabei in Vergessenheit geratene Volkslieder aus den Archiven und hauchen ihnen neues Leben ein.

Referenzen und Preise:
Live Mitschnitte DeutschlandRadio, WDR, Bayrischer Rundfunk, MDR, Radio Bremen, Forde-Festival Norwegen (für DeutschlandRadio und EBU), TFF Festival Rudolstadt, Bardentreffen Nürnberg, Festival Musik und Politik, Berlin, Folk Baltica, Waldeck-Festival, Open-Ohr-Festival Mainz, Goethe-Institute Irland, Schottland, Dänemark u.a. 5 x Preis der Deutschen Schallplattenkritik, mehrfach Platz 1 der Liederbestenliste.

Weitere Informationen / Links:
www.musikvonwelt.de
www.gretchen-club.de
www.dragopolis.de PDF-Flyer zum Druck und Weiterleiten

Unterstützt von
Förderung der Veranstaltung durch den Kiezfonds im Sanierungsgebiet Rathausblock

Buchvorstellung: Die unvollendete Revolution

Das Büchlein „Die Unvollendete Revolution“ gibt es ab sofort täglich ab 15 Uhr über Katinka (Bibliographische Bibliothek, neben der Galerie Olga Benario, Richardstr. 104).

Diejenigen, die außerhalb von Berlin wohnen, können über die E-Mail hopmann@kanzlei72a.de Ihre Anschrift mitteilen, auf unser Konto:
Benedikt Hopmann,
IBAN: DE42 1005 0000 1068 6159 97
5 € überweisen und bekommen dann das Büchlein zugeschickt.

 

Inhaltsangabe und Einleitung können hier eingesehen werden.
Das Kapitel zum Lern- und Gedenkort Dragonerarel ist hier als Leseprobe erhältlich.

Kundgebung am 8.11.2018

Flyer KundgebungEs reden: Bodo Zeuner, Doris Heinemann-Brooks, Rolf Becker


100 Jahre unvollendete Revolution

Nach dem Aufstand der bewaffneten Matrosen der Kriegsmarine in Kiel sprang der Funke der Revolution auf alle wichtigen Städte und industriellen Gebiete Deutschlands über. Am 9. November 1918 strömten auch die Arbeiterinnen und Arbeiter Berlins zum Generalstreik auf die Straße und besetzten die Kraftwerke, das Polizeipräsidium, das Telegrafenamt und das Reichstagsgebäude. Philipp Scheidemann (SPD) rief vom Reichstag die »deutsche Republik« und Karl Liebknecht (Spartakusbund) vom Stadtschloss die »freie sozialistische Republik Deutschland« aus.

Frankreich feiert in jedem Jahr am 14. Juli den Sturm auf die Bastille als Geburtsstunde der Republik. In Deutschland ist die Geburtsstunde der Republik vergessen. Vergessen ist auch, dass ohne die Novemberrevolution die Koalitionsfreiheit – also das Recht, sich in Gewerkschaften zusammenzuschließen – keinen ausdrücklichen Schutz durch die Verfassung bekommen hätte. Vergessen ist, dass es ohne die Novemberrevolution keine Betriebsräte gäbe. Vergessen ist, dass die Frauen mit der Revolution ihr Wahlrecht erkämpften.

Wir wollen nicht nur an die Errungenschaften der Revolution von 1918 erinnern, sondern auch an die Forderungen, die unerfüllt blieben: Es sollte ein für alle Mal Schluss gemacht werden mit Ausbeutung und Krieg. Das große Kapital, die treibende Kraft hinter dem Krieg, sollte sozialisiert werden.

Das kapitalistische Eigentum wurde nicht angetastet. Es ging nur der Kaiser, die Generäle blieben. Es blieben die Feinde der Republik in der Verwaltung und Justiz. Es blieben die Gegner der Revolution und der republikanischen Freiheiten, des allgemeinen Wahlrechts, der Presse- und Meinungsfreiheit, der erkämpften Arbeitsrechte. Diese Gegner gehörten 15 Jahre später zu den Wegbereitern des Faschismus.

Heute erleben wir, wie die sozialen und politischen Errungenschaften erneut in Frage gestellt werden: Immer weniger Beschäftigte können sich auf Tarifverträge berufen, immer weniger Betriebe haben Betriebsräte; unsere Grundrechte werden durch verschärfte Polizeigesetze gefährdet und reaktionäre, nationalistische und faschistische Bestrebungen erstarken.

Dagegen wehren wir uns. Wir brauchen mehr soziale und demokratische Rechte. Wir brauchen keine Bundeswehreinsätze in aller Welt und keine militärische Aufrüstung. Nur eine breite soziale Bewegung kann die Rechtsentwicklung aufhalten.

Donnerstag, den 8. November 2018 17:00 Uhr
vor dem Brandenburger Tor

Koordination ›Unvollendete Revolution 1918‹

REVOLUTION!? – axensprung theater, Hamburg – gastiert in Berlin

Die Initiative Geschichtsort Januaraufstand und die
Nachbarschaftsinitiative Dragopolis
präsentieren in Zusammenarbeit
mit dem Club GRETCHEN und der
Axensprung Kulturprojekte GbR aus Hamburg
das
axensprung theater
mit einer Aufführung von


REVOLUTION!?
„Ein Schauspiel zu den politischen Umbrüchen in Deutschland 1918/19“


Sonntag, 23.09.2018, 20:00 Uhr / Einlass ab 19:00 Uhr / 16,- €, ermäßigt 12,- €
Dauer ca. 90 Minuten ohne Pause, anschließend Publikumsgespräch
Veranstaltungsort: Club GRETCHEN
Obentrautstr. 19-21, 10963 Berlin
U1 U3 U6 Hallesches Tor / U6 U7 Mehringdamm

Ansprechpartner / Kontakt / Reservierungen:
Nachbarschaftsinitiative Dragopolis c/o
Holger Gumz / 0170 5762038 / holger.gumz@t-online.de


Erläuterung von „axensprung theater“:

In enger Zusammenarbeit mit dem Museum für Hamburgische Geschichte, das vom 25. April 2018 bis zum 24. Februar 2019 eine Sonderausstellung zum Thema „Revolution 1918/1919 in Hamburg“ zeigen wird, entsteht eine Theaterproduktion, die ihren Ausgangspunkt in den tatsächlichen historischen Ereignissen der Monate Oktober 1918 bis Sommer 1919 hat.

Im Mittelpunkt unserer Erzählung „Revolution!?“ stehen fünf Protagonisten: Ein Kieler Matrose, eine Hamburger Fabrikarbeiterin, ein Freikorpsmann, Reichswehrminister Noske und der Hamburger Bürgermeister Werner von Melle. Einige unserer Protagonisten sind fiktiv, andere existierten real. In unserer Theateranordnung werden sie sich begegnen: ihre Geschichten und Loyalitätskonflikte spiegeln diese wirren Zeiten.

Der Erzählstrang führt von der Meuterei der Kieler Matrosen im Okt./Nov. 1918 und der Gründung der dortigen Soldaten- und Arbeiterräte hin zur Rätebewegung in Hamburg (und Bremen u.a.), der letztlichen Hinwendung zur parlamentarischen Demokratie, den Gründen und Auswirkungen der „Sülzeunruhen“ in Hamburg als letztem Höhepunkt der Auseinandersetzungen bis hin zur gesamtdeutschen Zerschlagung und Unterdrückung der verbliebenen basisdemokratischen Bewegungen durch die Freikorps, federführend unter Reichswehrminister Noske (Zitat: „Einer muss der Bluthund sein“). Das theatrale Bindeglied zwischen den Ereignissen damals und heute bildet ein Advocatus Diaboli, der aus unserer Zeit heraus das ganze gegenüber dem Publikum kommentiert. So versuchen wir, Geschichte von unten wie von oben zu zeigen. Jede einzelne Figur steckt in tiefsten Solidaritäts- und Loyalitätskonflikten. Wir veranschaulichen, wie sehr Hunger und Aussichtslosigkeit, aber auch die Verheißung einer neuen menschlicheren Zeit die Gefühle bestimmen und unter welchen Opfern diese Menschlichkeit verloren geht bzw. bewahrt bleibt.

Wir stellen auch – aus heutiger Sicht – die Frage, welche politischen und gesellschaftlichen Modelle damals möglich gewesen wären und der „Notwendigkeit“ und politischen Pragmatik geopfert wurden.

Weitere Informationen / Links:
www.axensprung-theater.de
www.axensprung-theater.de/portfolio/revolution-1918/
www.gretchen-club.de
www.januaraufstand.de
www.dragopolis.de